CT-Wert – Ab welchem Wert ist man nicht mehr ansteckend

Es taucht immer wieder die Frage auf, ab welchem CT-Wert eine Person nicht mehr ansteckend ist. Mit dieser Information möchte ich, Dr. Daniel Wallerstorfer diese Frage etwas genauer durchleuchten.

Bitte beachten: Dieser Bericht ist eine wissenschaftliche Analyse der aktuellen Studien und eine Einschätzung der Situation. Diese spiegelt natürlich nicht die aktuelle Rechtslage oder die Herangehensweise von Behörden wider.  Die behördliche Herangehensweise für Isolation und Contact Tracing ist per Gesetz bestimmt und ist stets zu beachten.

Was ist der CT-Wert?

Bei der PCR-Analyse wird das Virale Genom über mehrere Zyklen verdoppelt. Beginnt die Analyse mit nur 10 Viren in der Probe werden diese in Zyklus 1 zu 20 Virengenome hochkopiert. In Zyklus 2 sind es dann 40, Zyklus 3 erzeugt 80 und so weiter. In über 45 Zyklen entstehen so mehre Millionen Kopien des Virusgenoms, das dann leicht nachweisbar ist.
Der CT-Wert ist die Zahl des Zyklus‘, bei dem die Virusmenge eine bestimmte Menge/einen bestimmten Schwellenwert erreicht hat.
Eine Probe, die gleich mit 20 Viren beginnt, ist der Probe mit nur 10 Viren um eine Verdopplung voraus und somit um einen CT-wert niedriger. Man kann also daraus schließen, dass je niedriger ein CT-Wert ist, umso höher ist die Virale Last in der Probe.

Die Menge an Viren, die eine Person produziert schwankt stark, je nach Alter, Gesundheitszustand und anderen Faktoren. Es ist davon auszugehen, dass manche Menschen zwar infiziert sind, jedoch nie einen niedrigen CT-Wert erreichen und somit nie ansteckend werden. Andere hingegen produzieren große Mengen an Viren und agieren als Super-Spreader.

Virus Menge - Tage seit Infektion - CT Wert

Der CT-Wert kann von Labor zu Labor und von Analysesystem zu Analysesystem schwanken. Das ist kein Anzeichen dafür, dass Systeme oder Labore schlechter sind als Andere, sondern es ist einfach ein Technischer Unterschied, mit dem analysiert wird. Eine Verschiebung um 2-3 CT-Werte sind somit bei verschiedenen Laboren durchaus möglich und kein Anzeichen für ein Problem. Ein CT-Wert ist innerhalb eines Labors und dessen Systems somit ein relativer, und kein absoluter Wert.

Ab welchem CT-Wert ist man nicht mehr ansteckend?

Es gibt eine spezielle Methode, wie man im Labor die Infektiosität von Proben infizierter Menschen messen kann. Dabei wird die Probe von Menschen mit unterschiedlichen CT-Werten genommen und im Labor versucht eine Zelllinie damit zu infizieren. Ist es zu 100% möglich, gilt, dass die Person hoch infektiös ist. Ist keine Infektion der Zelllinien mehr möglich, ist auch davon auszugehen, dass die Person nicht mehr ansteckend ist.
Dieses System hat aber auch Schwächen, da die Infektion von Zellen in Nährlösung kein guter Vergleich zu den realen Übertragungswegen wie Aerosolbildung ohne genügend Abstand usw. sind. Es ist dennoch anzunehmen, dass die realen Bedingungen die Übertragung noch deutlich erschweren und somit die Mensch-zu-Mensch Infektiosität noch geringer ist.

Eine Studie hat die Infektiosität bei verschiedenen CT-Werten untersucht und kam zu folgendem Ergebnis:

Demnach waren die Proben bei einem CT-Wert von 13 zu 100% in der Lage Zelllinien zu infizieren. Bei einem CT-Wert von 28 waren es etwa 50% und ab einem CT-Wert von 35 waren es 0%.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Personen über einem CT-Wert von 34 nicht mehr als infektiös gelten sollten.

Eine vergleichbare Studie kam zu dem Ergebnis, dass nur mehr 3% der Proben mit CT-Wert von 35 noch Zelllinien infizieren konnten.

Wie sollte mit CT-Werten also umgegangen werden?

Wie Personen mit hohen CT-Werten zu behandeln oder zu isolieren sind ist natürlich Entscheidung des Staates. Aus wissenschaftlicher Sicht scheint jedoch von Personen mit CT-Werten über 35 keine Gefahr mehr auszugehen.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass auch am Anfang einer Infektion erst ein hoher CT-Wert nachweisbar ist, der dann mit der Vermehrung des Virus Tag für Tag sinkt, bevor er nach Abklingen der Symptome wieder zu steigen beginnt. Dieser Faktor muss bei der Bewertung des Falles mit einbezogen werden.
Ein möglicher Ansatz wäre bei Personen mit CT über 35 eine zweite Analyse mit einem Abstand von 2-3 Tagen durchzuführen. Bleibt der CT-Wert statisch oder steigt an (noch weniger Virus vorhanden) ist von einer ausklingenden Infektion mit minimalem Risiko für andere Menschen auszugehen.  Sinkt er jedoch ab (mehr Virus vorhanden) ist die Person vermutlich am Anfang einer Infektion und stellt ein Risiko für Mitmenschen dar.

DR. DANIEL WALLERSTORFER
GRÜNDER & CHIEF EXECUTIVE OFFICER

Dr. Wallerstorfer ist Molekularbiologe und promovierter Biotechnologe. Zu seinen Fachgebieten, auf denen er über eine umfassende Expertise verfügt, zählen insbesondere die medizinische und die Lifestyle-Genetik sowie die Nutrigenetik.