Das biologische Alter – Mehr als nur eine Zahl

Das biologische Alter ist ein Begriff, der in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Während unser kalendarisches Alter lediglich die verstrichenen Lebensjahre anzeigt, verrät das biologische Alter viel mehr über unseren tatsächlichen Gesundheitszustand und die Leistungsfähigkeit unseres Körpers. Denn der Alterungsprozess verläuft bei jedem Menschen unterschiedlich schnell. Einige fühlen sich mit 60 Jahren noch topfit, andere haben bereits mit 40 gesundheitliche Probleme.

Das biologische Alter berücksichtigt viele Faktoren wie den Lebensstil, die Gene, epigenetische Marker und den Zustand der Organe und Gefäße. Entscheidend sind Gewohnheiten wie Bewegung, Ernährung, Alkoholkonsum, Rauchen und der Umgang mit Stress. Wer sich ausgewogen ernährt mit viel Obst und Gemüse, regelmäßig Sport treibt, nicht raucht und Ausdauersportarten wie Laufen oder Schwimmen betreibt, kann sein biologisches Alter positiv beeinflussen.

Aber auch genetische Veranlagungen, Übergewicht, Diabetes oder ein hoher Blutdruck können Einfluss auf das biologische Altern nehmen. Moderne Biomarker-Analysen aus einer Blutprobe können Aufschluss über den Zustand des Immunsystems, der Gefäße, der Organe und zellulärer Prozesse geben. So lässt sich das individuelle biologische Alter zuverlässig bestimmen.

Unterschied zwischen biologischem und kalendarischem Alter

Das kalendarische oder chronologische Alter bezieht sich lediglich auf die verstrichenen Lebensjahre seit der Geburt. Es ist eine reine Zeitangabe, die der Organisation gesellschaftlicher Abläufe wie Schuleintritt, Volljährigkeit und Renteneintrittsalter dient. Aus gerontologischer Sicht (die Gerontologie ist die Wissenschaft vom Prozess des Alterns sowie des Alters als Lebensphase) ist das kalendarische Alter jedoch wenig aussagekräftig, da es die großen interindividuellen Unterschiede im Alterungsprozess nicht berücksichtigt.

Im Gegensatz dazu beschreibt das biologische Alter den tatsächlichen körperlichen Zustand und die Leistungsfähigkeit eines Menschen, unabhängig vom kalendarischen Alter. Es bezieht sich auf altersbedingte körperliche Veränderungen und Abbauprozesse in Organen, Geweben und Zellen. Genetische Faktoren, Lebensstil und Umwelteinflüsse können dazu führen, dass das biologische Alter vom kalendarischen Alter nach oben oder unten abweicht.

Während das kalendarische Alter kontinuierlich voranschreitet, kann das biologische Alter durch einen gesunden Lebensstil positiv beeinflusst werden. Regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung, Stressvermeidung und der Verzicht auf Risikofaktoren wie Rauchen und Alkohol können den Alterungsprozess verlangsamen. Im Gegenzug können ungünstige Lebensumstände und Verhaltensweisen zu einem beschleunigten biologischen Altern führen.

Daher ist es wichtig, das eigene biologische Alter zu kennen, um frühzeitig Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge ergreifen zu können.

Faktoren, die das biologische Alter beeinflussen

Das biologische Alter wird von einer Vielzahl interner und externer Faktoren beeinflusst. Zu den wichtigsten zählen:

  • Genetische Faktoren

    Die Gene spielen eine entscheidende Rolle für den Alterungsprozess. Bestimmte Genvarianten können dazu führen, dass manche Menschen schneller oder langsamer altern. Beispielsweise gibt es Gene, die den Stoffwechsel, die Zellreparatur und die Aufrechterhaltung der Telomerlängen regulieren.

  • Epigenetische Prägungen

    Neben den Genen selbst haben epigenetische Markierungen großen Einfluss auf die Genaktivität und damit auf Alterungsprozesse. Epigenetische Muster können durch Umweltfaktoren und Lebensstilfaktoren wie Ernährung, Stress oder Rauchen verändert werden.

  • Lebensstil

    Der Lebensstil zählt zu den wichtigsten beeinflussbaren Faktoren. Ausreichend Bewegung, Ausdauersport, eine gesunde, nährstoffreiche Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen sowie Stressreduktion können den Alterungsprozess verlangsamen. Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, hoher Alkoholkonsum und Bewegungsmangel beschleunigen das biologische Altern hingegen.

  • Gesundheitszustand

    Chronische Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebserkrankungen können zu einer Zunahme von oxidativem Stress und Entzündungen führen, was den Alterungsprozess fördert. Auch Übergewicht und Fettleibigkeit gelten als Alterungsrisiko.

  • Umweltfaktoren

    Schadstoffe, UV-Strahlung und Luftverschmutzung können über die Bildung freier Radikale Zellschäden verursachen und so den Alterungsprozess beschleunigen. Auch psychosoziale Belastungen wie anhaltender Stress wirken sich negativ aus.


Durch einen gesunden Lebensstil und die Vermeidung von Risikofaktoren lässt sich das biologische Alter durchaus positiv beeinflussen. Regelmäßige Biomarker-Analysen können Aufschluss über den individuellen Alterungsprozess geben.

Wie lässt sich das biologische Alter bestimmen?

Es gibt verschiedene Methoden, um das biologische Alter eines Menschen relativ genau zu bestimmen. Die aussagekräftigsten Verfahren basieren auf Biomarker-Analysen aus Körperflüssigkeiten wie Blut, Speichel oder Urin.

  • Epigenetische Uhren


    Die derzeit präziseste Methode ist die Analyse epigenetischer Marker aus einer Blut- oder Speichelprobe. Epigenetische Marker sind biochemische Anhängsel an den Genen, die steuern, ob und wie stark diese abgelesen werden. Bestimmte Muster dieser Marker verändern sich im Laufe des Alterungsprozesses auf systematische Weise.

  • Genanalysen

    Eine weitere Möglichkeit ist die Analyse von Genen, die mit dem Alterungsprozess in Verbindung stehen. Dazu gehören Gene, die den Stoffwechsel, die Zellreparatur und die Aufrechterhaltung der Telomerlängen regulieren. Aus dem Muster von Genvarianten und Mutationen lässt sich das biologische Alter ableiten.

  • Biomarker-Panels

    Statt auf einzelne Marker zu setzen, können auch Panels aus verschiedenen Biomarkern für eine akkurate Altersbestimmung genutzt werden. Dazu gehören beispielsweise Proteine, die Aufschluss über den Zustand einzelner Organe wie Herz, Lunge, Leber oder Gehirn geben. Aus deren Konzentration im Blut lässt sich das biologische Alter dieser Organe errechnen.

    Die Kombination verschiedener Biomarker-Analysen aus Blut, Speichel oder Urin liefert somit ein umfassendes Bild des biologischen Alters und des Zustands des gesamten Körpers. Regelmäßige Analysen können zudem Aufschluss darüber geben, wie sich Lebensstilfaktoren auf den Alterungsprozess auswirken.

Welche Rolle spielt die Ernährung für das biologische Alter?

Die Ernährung hat einen großen Einfluss auf den Alterungsprozess und das biologische Alter. Eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung kann den Alterungsprozess verlangsamen, während eine ungesunde Ernährungsweise ihn beschleunigen kann.

  • Nährstoffreiche Ernährung bremst Alterungsprozess

    Eine Ernährung reich an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Nüssen, Hülsenfrüchten und gesunden Fetten wie Olivenöl kann das biologische Altern verlangsamen. Diese Lebensmittel liefern wichtige Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe mit antioxidativer und entzündungshemmender Wirkung.

    Besonders die Vitamine C und E sowie Carotinoide aus Obst und Gemüse können oxidativen Stress und Zellschäden vorbeugen, die den Alterungsprozess beschleunigen. Ballaststoffe aus Vollkornprodukten fördern zudem eine gesunde Darmflora, was sich positiv auf das Immunsystem und die Entgiftung auswirkt.

  • Kalorienrestriktion kann Alterungsprozess umkehren

    Einige Studien deuten darauf hin, dass eine zeitweise Kalorienrestriktion von 20-30% den Alterungsprozess nicht nur verlangsamen, sondern sogar umkehren kann. Durch die Nahrungsreduktion werden zelluläre Reparaturmechanismen angeregt und Entzündungsprozesse gedämpft.

    Allerdings ist eine dauerhafte, starke Kalorienrestriktion gesundheitlich bedenklich. Moderate Formen wie das 16:8-Intervallfasten oder die 5:2-Diät sind besser verträglich und könnten laut Studien ähnliche Effekte auf das biologische Altern haben.

  • Schädliche Auswirkungen von Zucker und Fett

    Hingegen beschleunigen Ernährungsmuster mit viel Zucker, gesättigten Fetten, Fertigprodukten und Fleisch den Alterungsprozess. Sie fördern Entzündungen, oxidativen Stress und Schäden an Zellen und Gefäßen. Übergewicht und Fettleibigkeit gelten ebenfalls als Risikofaktoren für ein höheres biologisches Alter.

    Insgesamt zeigt sich, dass eine pflanzenbetonte Ernährung mit vielen Obst- und Gemüsesorten, Vollkornprodukten und gesunden Fetten einen der Schlüssel für ein gesundes biologisches Altern darstellt.

Mediterrane Ernährung als Schutz vor Herz-Kreislauferkrankungen?

Eine 2014 veröffentlichte Studie, mit 521 Teilnehmern zwischen 55 und 80 Jahren, untersuchte den Zusammenhang zwischen einer genetischen Variante (Ala-Allel) im PPARγ2-Gen, der Telomerlänge (TL) und der Einhaltung einer mediterranen Ernährung (MeDiet) bei Personen mit hohem kardiovaskulärem Risiko. Telomere sind Schutzkappen an den Enden der Chromosomen, die sich mit zunehmendem Alter verkürzen. Kürzere Telomere werden mit altersbedingten Krankheiten und einem erhöhten kardiovaskulären Risiko in Verbindung gebracht. Die Studie ergab, dass die Befolgung einer MeDiet über 5 Jahre die Verkürzung der Telomere verhinderte und bei Trägern des Ala-Allels sogar zu einer Verlängerung der Telomere führte, während dieser Effekt bei Personen ohne das Ala-Allel nicht beobachtet wurde.

Darüber hinaus war eine Einhaltung der MeDiet bei Ala-Trägern mit einer stärkeren Telomerverlängerung verbunden. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Ala-Allel im PPARγ2-Gen in Kombination mit einer MeDiet eine schützende Wirkung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben und zur Langlebigkeit beitragen könnte, indem es den Erhalt der Telomere fördert.

Sie möchten Ihr biologisches Alter bestimmen?

Neugierig geworden? Unser Labor führt eine umfassende Genanalyse durch, die gezielt auf die Gene abzielt, die die Länge der Telomere beeinflussen. Die wissenschaftliche Analyse zeigt auf, welche genetischen Fähigkeiten bestehen, die Telomere zu erhalten. Auf dieser Basis ziehen wir logische Schlussfolgerungen für personalisierte Empfehlungen, um die Degeneration der Telomere zu verlangsamen. Das Ergebnis ist ein ausführlicher schriftlicher Bericht, der Forschungseinblicke bietet und konkrete Maßnahmen vorschlägt, das biologische Alter zu reduzieren und die optimale Zellerneuerung zu unterstützen.

Auch personalisierte Nahrungsergänzung wird von uns angeboten.

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